Steckbrief Zaunkönig

 

Der Zaunkönig (Troglodytes troglodytes) ist mit etwa 10 Gramm leichteste, zierlichste und wohl eifrigste Sänger unter unseren Gartenvögeln. Fast jeder kennt seinen Namen oder hat seinen erstaunlich kräftigen Gesang gehört, aber so leicht zu Gesicht bekommt man ihn nicht. Im Volksmund wird diese Vogelart auch Nesselkönig, Königsvögerl oder Mausekönig genannt.

Sein wissenschaftlicher Name kommt aus dem Griechischen, troglodyt bedeutet „Höhlenwesen“ und steht für die versteckte Lebensweise der Zaunkönige in dichten Hecken, Wäldern, Gärten oder Hausspalieren. Hier sucht und findet er Insekten aller Art, deren Puppen, Spinnen, Motten, Fliegen und Raupen, die er mit dem spitzen leicht gekrümmten Schnabel aus jedem Versteck zieht. Er sorgt dafür, dass diese Tierchen sich nicht übermäßig vermehren und uns lästig werden.

Vogel oder Maus?

Der Zaunkönig huscht oft genug wie eine kleine Maus unter den Sträuchern hin und her. Er ist ein schlechter Flieger und meidet daher offene Flächen, besonders wenn Nachwuchs im Nest ist. Sehr sorgfältig bauen die Zaunkönige ihr Kugelnest aus feinem Gras, Tierhaaren, Federn und Moos. Bemerkenswert ist, dass ein Männchen oft mehrere Nester (bis zu 12!) baut, um dem Weibchen die „freie Auswahl“ zu überlassen. Hat sich das Weibchen entschieden, wird mit der Eiablage begonnen. Zuerst brütet ausschließlich das Weibchen die fünf bis sieben weißen, zart rotbraun getupften Eier aus. Ungefähr 14 Tage braucht sie dafür.

In dieser Zeit schiebt das Männchen „Wache“ und singt schmetternd seine Strophen auf einer sogenannten „Singwarte“ meist hoch auf einer Baumspitze. Typisch ist seine stolze Körperhaltung, er wirkt fast kugelförmig und die kurzen Schwanzfedern stehen steil in die Höhe. Lässt es das Wetter zu, werden zwei Bruten im Jahr großgezogen, die als Familienverband noch bis in den Herbst zusammen bleiben. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass es auch Vogelväter gibt, die in „Bigamie“ leben und mit einem weiteren Weibchen verpaart sind. Sind die Jungen geschlüpft, beteiligt sich das Männchen an deren Aufzucht. Weitere 14 Tage lang wird im Minutentakt der Nachwuchs versorgt oder gewärmt. Die Körpertemperatur der Vögel liegt bei etwa 40°C.

Klein, aber oho!

Es ist eine bemerkenswerte Leistung, wie diese kleinen Vögel es schaffen, genügend Futter für ihre Jungen und sich zu finden. Voraussetzung dafür ist natürlich ein insektenreicher Garten oder Park. Jedes Anti-Insektenmittel sollte während der Brutzeit der Vögel tabu sein, es führt in der Konsequenz zu einem „stummen Frühling“.

Der kleine Zaunkönig, den es glücklicherweise noch häufig gibt und dessen Bestand nicht gefährdet ist, ist ein würdiger Vertreter des „Vogel des Jahres“.

Mit dieser Aktion macht der NABU jährlich auf eine Vogelart aufmerksam, die unseren Schutz verdient. Mithelfen können wir dabei, indem wir den Vögeln in unseren Gärten Brutmöglichkeiten zum Beispiel durch Natursteinmauern, dichten Pflanzenbewuchs in Bodennähe oder Fassadenbegrünung bieten.

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